Bildhaft schreiben: 6 Tipps für Kopfkino-Texte, die verkaufen.

Warum bildhaft schreiben?

Mit Deinem Text verfolgst Du ein Ziel: verkaufen.

Wenn nicht direkt, dann verkaufst Du über Umwege: zum Newsletter anmelden, ein gratis-Teaser-Angebot herunterladen, zu einem Webinar anmelden, einen Blogartikel anklicken und lesen… im Grunde sind das alles Kaufentscheidungen – wenn kein Geld fließt, dann investiert Dein Kunde oder Deine Kundin zumindest Zeit und Energie.

Wo, denkst Du, trifft Dein Kunde oder Deine Kundin die Kaufentscheidung? Ich gehe davon aus: im Bauch. Zumindest zu einem guten Teil. Der Kopf liefert im Nachhinein die passenden Argumente dazu.

Das heißt, Deine Worte müssen bis in den Bauch dringen. Der Bahnhof sind ihre Augen. Dort hüpfen sie in den Zug und rasen durch die Synapsen und Nervenbahnen weit hinunter in die Bauchhöhle Deiner LeserInnen. Dort dürfen sie aussteigen und ein wohliges oder aufgeregtes Ja-ich-will-Kribbeln auslösen! Und schon wird geklickt – Ziel erreicht!

Siehst Du gerade Worte durch einen Menschen düsen? 😉  

Kopfkino durch bildhafte und konkrete Sprache

Das heißt: Wenn Du verkaufen willst, musst Du konkrete Bilder im Kopf und Gefühle im Bauch erzeugen.

Wie im Kino: Idealerweise läuft während des Lesens ein Film vor dem geistigen Auge ab. Nur dann dringt der Text wirklich durch bis in den Bauch. Damit Deine KundInnen die für dich richtige Entscheidung treffen: kaufen.

Klingt das schwierig? Ist es nicht. Wir bleiben beim bekannten Credo:

Es geht leicht. Für Dich und Deinen Kunden.

Schnapp Dir ein paar Tipps und probiere aus, wie Du Deinen Text bildhaft schreiben kannst:

1) Lass ein Detail fürs Ganze stehen (Pars pro toto).

Wenn Du über das „große Ganze“ schreibst, liegen Kategoriebegriffe nahe: wie z. B. Obst, Gebäck, Gebäude, Verkehr etc. Wir kennen sie wie die Inhalte unseres Küchenkastels und haben sie immer zur Hand. Aber sie wecken bei niemandem spannende Geschichten im Kopf.

Diese Wörter erzeugen schon Bilder. Aber fahle.

Deine Aufgabe: Picke dir ein ganz spezielles Beispiel aus einer Kategorie heraus:

Alt: „Wir liefern Ihnen täglich frisches Gebäck.”

                Klingt nicht schlecht! Ich sehe ein Brotkörberl. Aber so:

Neu:  „Wir bringen Ihnen täglich warme Salzstangerl und knusprige Croissants direkt vor Ihre Haustür.”

                Da läuft der Film ab und mir das Wasser im Mund zusammen! Ich kann das Kipferl riechen!

Wenn Du einen allgemeinen Sachverhalt beschreiben musst, schicke ein konkretes Beispiel hinterher.

Hier ein Beispiel aus einem Blogartikel (Frühling 2020) einer Kundin:

„Corona und der damit verbundene Shutdown vieler Wirtschaftsbereiche stellt Unternehmer vor neue Herausforderungen.”

                Dieser Satz erklärt einen Sachverhalt. Nötig, aber wenig bildhaft.

„Was tun, wenn ein Lieferant nicht mehr liefern kann? Was tun, wenn ein Kunde die Rechnung nicht mehr bezahlen kann?”

                Jetzt hat der Leser ein Bild im Kopf und spürt, was der „Shutdown“ bedeutet.

2) Sag, was jetzt gut ist. Nicht, was nicht mehr schlecht ist.

Du verkaufst Lösungen zu Problemen. Da liegt es nahe, Deinen KundInnen zu erklären, dass sie dieses spezielle Problem nicht mehr haben, oder das Problem kleiner wird, wenn sie Dein Produkt kaufen.

Besser ist: Du erklärst, WAS ist.

Deine Aufgabe:

Suche nach den Wörtern “nicht”, “kein”, “verringern”, “weniger werden”, “nachlassen” oder nach Stellen, wo du immer noch das Problem ansprichst, obwohl du schon über den positiven Effekt Deiner Leistung erzählst. Beschreibe stattdessen die positive, angenehme, gute, tolle Wirkung.

Warum? Die kleinen Wörtchen „nicht“ oder „kein” erzeugen gar kein Bild oder Gefühl. Auch Wörter wie „verringern”, „nachlassen”, „weniger werden” ändern das Gefühl nicht, sie schwächen es nur ab. Übrig bleiben die Worte, die da stehen: Das Problem. Das fühlt sich unangenehm an und verstärkt das Problem. Du willst aber ein angenehmes Gefühl erzeugen!

Zum Beispiel:

Alt: „Nach einer Reiki-Session spürst du, wie sich dein Stressgefühl verringert.”

Neu: „Nach einer Reiki-Einheit spürst du, wie du ganz ruhig wirst.”

Spürst du den Unterschied?

Deshalb: Sag immer, welches gute Gefühl Deine KundInnen haben werden, anstatt welches Problem sie nicht mehr haben werden.

3) Verwende deutsche Worte statt Fremdwörter.

Wir haben ein ähnliches Thema schon bei Fach- und Fremdwörtern und schwierigen Hauptwörtern (Hauptwortmonstern) angesprochen. In diesen Artikel kannst Du in die Tiefe gehen.

Deine Aufgabe:

Suche Wörter, die nicht deutschen Ursprungs sind – selbst, wenn wir sie ganz normal im täglichen Sprachgebrauch verwenden. Ersetze sie durch deutsche Wörter.

Warum? Lehnwörter werden zwar verstanden, erzeugen aber keine Bilder im Kopf. Und schon gar kein Kribbeln im Bauch. Außerdem erfordern manchmal eine kurze Übersetzungsarbeit. Das macht es schwieriger, den Text zu verstehen.

Fühl mal nach:

„Stress reduzieren“ vs. „Stress verringern“ oder sogar „seelische Belastung verringern“ (oder Du nimmst gleich die positive Auswirkung)

„Interaktion” vs. „Austausch mit anderen“

„Community” vs. „Gemeinschaft“

Es kann sein, dass die Bedeutung der beiden Ausdrücke nicht immer genau die gleiche ist. Dann such das deutsche Wort, das dem Fremdwort am nächsten kommt. Es ist immer noch wirkungsvoller als das nicht deutsche Wort. Versprochen!

4) Ersetze Worthülsen durch konkrete Beispiele.

Viele Marketing-Texte sind voll von Worthülsen: Das sind Wörter, die schön klingen, aber unter denen man sich nichts Konkretes vorstellen kann. Zu denen man kein Bild hat.

Höchste Qualität ist ein beliebter solcher Ausdruck.

Oder: Spitzenleistung, motiviert, Erfahrung, einzigartig, Service… Lies Texte anderer Firmen aufmerksam, Dir fallen sicher noch mehr Ausdrücke auf!

Deine Aufgabe:

Frag Dich stattdessen:

  • Was heißt höchste Qualität für Deine KundInnen?
  • Woran bemerkt sie/er Deine Spitzenleistung?
  • Welchen Unterschied macht Deine Erfahrung?
  • Worin bist Du wie genau einzigartig?
  • Welches Service werden Deine KundInnen lieben und warum?

Vielleicht ist Service, dass Du garantiert innerhalb von 30 Minuten zurück rufst. Vielleicht ist Qualität eine Garantie auf ein bestimmtes Ergebnis. Vielleicht bewirkt Deine Erfahrung, dass Du auch auf die kniffligste Frage eine Antwort weißt…

Nimm Beispiele aus dem Leben und schon ist: Film ab!

5) Lass Füllwörter weg. Meistens.

Ich gestehe: Ich liebe Füllwörter. Beim Schreiben erzeugen sie so ein lockeres Gefühl. Beim Lesen schlägt die Lockerheit manchmal in Schlaffheit um.

Deshalb gönne ich meinen Texten einen extra Blick, um die meisten davon wieder rauszustreichen.

Denn Füllwörter können Deinen Text in seiner Kraft schwächen. Da wird die stolze Eiche zum biegsamen Bäumchen. Wörter wie: ziemlich, relativ, meistens, wirklich, sehr, so, genau so, durchaus, vermutlich etc.

Deine Aufgabe:

Durchforste Deinen Text nach diesen kleinen Weichmachern. Überlege aufmerksam, ob Du sie streichen kannst. Wenn nicht, begründe das!

Trotzdem dienen sie ab und zu durchaus als Stilmittel. So wie das Wörtchen meistens in dieser Überschrift.

Es gibt Wörter, die haben mehr als eine Bedeutung. Zum Beispiel: “einfach”. Das kann ein Füllwort sein, aber auch heißen, dass etwas nicht kompliziert oder schwierig ist. Auch “genau” ist nicht immer zu verdammen – wenn es auf gewissenhaft, exakt hindeutet.

Extra-Tipp: die konkrete Aufforderung zu handeln.

Deine LeserInnen sollen am Ende Deines Texts ja etwas Konkretes tun: Auf “Ja-ich-will” klicken, Dich anrufen, Dir eine Nachricht schreiben, in den Online-Shop gehen. Es hilft, wenn Du ihnen die Handlung genau ansagst.

Deine Aufgabe: Suche das konkreteste und gebräuchlichste Wort und gib eine klare Handlungsanleitung:

Wenn Du Deinen LeserInnen sagst: „Kontaktieren Sie mich bitte“, haben sie 3 Probleme:

  • Sie müssen “kontaktieren” übersetzen.
  • Sie müssen sich überlegen, wie sie Dich kontaktieren wollen.
  • Sie müssen die Kontakt-Info suchen.

Besser ist: „Schreiben Sie mir ein E-Mail an aa@bbb.at oder rufen Sie mich an unter: xxx/xxx xxx xx.”

Oder

Alt: „Unterfertigen Sie bitte dieses Dokument“

Neu: „Unterschreiben Sie bitte auf der letzten Seite ganz unten rechts über Ihrem Namen.“

Liest Du den Unterschied? In beiden Fällen ist eigentlich ganz klar, was Dein Gegenüber tun soll. Aber die 2. Variante macht es ihr oder ihm einfacher! Das erhöht die Chance, dass der Ja-ich-will-Button einen Klick erhält.

Hast Du Deinen Text bei der Hand? Lies ihn Dir jetzt genau durch, ob Du irgendwo Fremdworte, allgemeine Kategoriebegriffe, Worthülsen, Füllwörter oder ungenaue Anweisungen findest. Ersetze sie. Du wirst sehen: Das ist leicht! (Anstatt: Das ist gar nicht schwer. 😉 )

Hast Du eine Idee bekommen, wie Du Deinen Text besser bebildern kannst? Wie Du Gefühle und Handlungen damit erzeugst? Schreib mir bitte unten in die Kommentare, wie Du es geschafft hast, oder ob Du Hilfe brauchst! Ich helfe Dir gerne weiter.

Deine

Céline Tüyeni. Website-Texter aus Wien

Texterin und Textcoach für Deine Webseiten-Texte

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