So wirst Du schwierige Nomen (Hauptwörter) los.

Bevor wir starten: Hast Du Deinen Text bei der Hand? Fein, dann legen wir gleich los. In diesem Artikel lernst Du:

  • Wie Du den sogenannten Hauptwort-Stil vermeidest
  • und schwierige Nomen leicht durch Wörter ersetzen kannst,
  • die Deine LeserInnen superleicht verstehen und sie emotional berühren.

Denn Deine Texte bewirken nur dann das, was DU willst, wenn sie Deine LeserInnen in Kopf und Herz erreichen!

Was sind überhaupt schwierige Nomen?

Das sind Hauptwörter, die Dein/e LeserIn nicht auf den ersten Blick erfassen kann oder zu denen sie/er kein Bild im Kopf hat. Weil sie zu lang, zu „gewählt“ oder zu kompliziert oder weil sie Fach- oder Fremdwörter sind.

Denk dabei an das Text-Credo: Mach es Deinen KundInnen leicht!

Schwierige Nomen durch einfache ersetzen: So geht's

Wir schauen uns 3 verschiedene Arten schwieriger Hauptwörter an:

 1) Nomen, die auf –ung, -heit, -keit enden:

Warum die schwer zu verstehen sind? Denn diese Hauptwörter waren in ihrem ersten Leben einmal Zeitwörter. Irgendwann wurden sie zu sperrigen Hauptwörtern umgebaut, weil das gebildeter, „höfischer“ klang. Das kommt noch aus Zeiten der Monarchie und des Beamtentums, in denen komplizierte Sprache verwendet wurde um Standesunterschiede deutlich zu machen.

Wir bauen sie jetzt zurück zu ihrem natürlichen Ursprung.

Deine Aufgabe: Suche Hauptwörter mit -ung, -heit, -keit und finde das ursprüngliche Zeitwort

Dann bau die Sätze entsprechend um oder ersetze das Hauptwort durch ein anderes, einfaches, allgemeinsprachlicheres (Zeit)Wort!

Beispiel 1: Verschiebung – verschieben

Vorher: Sollte es Ihrerseits zu einer Terminverschiebung kommen, bitte ich Sie um rechtzeitige Benachrichtigung.
Nachher: Wenn Sie den Termin verschieben wollen, benachrichtigen Sie mich bitte rechtzeitig.
Oder: Wenn Sie den Termin verschieben wollen, schicken Sie mir bitte rechtzeitig eine Nachricht oder rufen Sie mich an.
(Das ist länger; aber es ist eine konkrete Anleitung, die ein Bild im Kopf erzeugt und damit leichter verständlich ist.)

Beispiel 2: Verantwortung – verantwortlich sein / verantworten – sorgen für 

Vorher: Ich übernehme die Verantwortung für….
Nachher: Ich bin verantwortlich für…
Oder: Ich sorge für…

Beispiel 3: Heiterkeit – erheitern – Freude machen

Vorher: Wie kannst Du für mehr Heiterkeit in deinem Leben sorgen?
Nachher: Wie kannst Du dich selber mehr erheitern?
Oder: Wie kannst Du dir selbst eine Freude machen/bereiten?

Klingt doch gleich viel frischer, oder? Falls Du Dir denkst “Das mache ich ohnehin schon so”, rate ich Dir: Lies Dir Deine Texte genau nur auf diese Worte hin durch. Es kann gut sein, dass Dir trotzdem welche hineingerutscht sind – wir sind aus der Schule so konditioniert. Diese Wörter finden ihren Weg. 😉

2) Lange, komplizierte Nomen

Die deutsche Sprache ist Meisterin darin, Hauptwörter zusammen zu setzen. Nicht nur der Donaudampschiffahrtsgesellschaftskapitän ist legendär. Wir sind diese Wörter so gewohnt, dass sie uns oft beim Schreiben gar nicht mehr auffallen.

Meine Tochter blickte neulich auf eine Packung „Rohrohrzucker“.  Sie fragte mich: “Mama, was ist bitte „Rohr-Ohr-Zucker???“. Sie ist 8 Jahre alt und sprachlich durchaus begabt…

Gesprochen sind diese Wörter gar kein Problem, denn wir betonen sie richtig. Geschrieben können sie schwierig zu verstehen sein und zu Missverständnissen führen. Oder sie erfordern Übersetzungsarbeit beim Leser oder der Leserin. Das wollen wir nicht!

Denk an das Credo: Es soll leicht gehen! Für Dich und Deine LeserInnen 

Deine Aufgabe: Suche alle Hauptwörter, die aus 2 oder 3 einzelnen Wörtern bestehen.

Versuche die Wörter zu trennen oder durch einfachere zu ersetzen.

Z. B.: Die „bequeme Einkaufsmöglichkeit“ ersetzst Du durch „Einkaufs-Möglichkeit“ oder „die Möglichkeit einzukaufen“ oder am allerbesten durch einen Satz: „Hier können Sie bequem einkaufen.“

3) Fremd- oder Fachwörter

Du bist in einer ganz bestimmten Branche unterwegs?

Vermutlich. Branchen entwickeln oft Fachwörter, ob Tourismus, Baubranche, Gastronomie, Lebensmittelhandel, Coaching, Physiotherapie, Medizin etc.

Diese Branchensprache ist für Dich ganz normal! Aber deine KundInnen tun sich oft schwer damit, sie zu verstehen. Oder sie verstehen sie, aber es ist anstrengend für sie, diese zu „übersetzen“. Mehr dazu im Video “Fremdwörter ja oder nein?” (mit Transkription).

Der Anspruch an Texte, die ankommen: Deine LeserInnen sollen im Überfliegen verstehen, wovon du schreibst.

Deine Aufgabe: Suche alle Fach- oder Fremdwörter in deinem Text.

Dann entscheide: Entweder Du brauchst das Wort nicht unbedingt, dann ersetze es durch ein umgangssprachliches Wort; eines, das Du verwendest, wenn Du mit jemandem sprichst, der nicht in Deiner “Branchen-Bubble” ist.

Oder Du brauchst das Wort unbedingt? Gerade bei medizinischen oder technischen Begriffen ist das oft nötig. Dann erkläre das Wort das erste Mal, wenn es im Text vorkommt. Dafür verwendest du im Hauptsatz zuerst das umgangssprachliche Hauptwort und setzt das Fremdwort danach einfach in Klammer.

Z. B. so: Übergewicht (Adipositas) ist ein ernstzunehmender Risikofaktor in der Schwangerschaft.

Oder verwende einen erklärenden Halbsatz, den Du mit einem Gedankenstrich abtrennst.

Z. B. so: Ein wichtiger Risikofaktor in der Schwangerschaft ist Adipositas – damit meinen wir eine bestimmte, medizinisch abgeklärte Form von Übergewicht.

Wie hört sich Dein Text jetzt an, nachdem du schwierige Nomen durch einfache ersetzt hast?

Schon viel flüssiger und weniger steif? Hier gebe ich Dir noch ein Beispiel, wie sich ein Text ändert, wenn Du Hauptwörter durch Zeitwörter ersetzt. Und durch direkte Ansprache empathischer wird – aber das ist ein eigenes Thema.

Vorher: Anzeichen für „echte Wehen“ sind ein vorübergehendes Hartwerden des Bauches für 1-2 Minuten
bzw. Schmerzen im Bereich des Unterbauchs für ebenso 1-2 Minuten. Wehen ab der 28. Schwangerschaftswoche sind völlig normal.

Nachher: Wie fühlen sich aber nun echte Wehen an? Wenn Dein Bauch für 1 -2 Minuten hart wird
bzw. Du ebenso lange Schmerzen im Unterbauch spürst, dann sind es echte Wehen. Aber keine Angst: Echte Wehen sind ab der 28. SSW ganz normal.

SSW würdest du beim ersten Mal auch in Klammer erklären: SSW (Schwangerschaftswoche).

Ich wünsch‘ Dir viel Spaß beim Wörter suchen und Lösungen kniffeln! Noch ein Tipp: Schreck Dich nicht, wenn Dein Text dadurch vielleicht auch etwas länger wird. Hauptwort-Monster auflösen braucht oft Nebensätze. Das ist ganz normal. Macht aber nichts, so lange Dein Text dadurch flüssiger zu lesen ist. Mehr zur idealen Textlänge liest Du hier.

Hast Du Fragen? Schreib mir direkt hier in die Kommentare rein!

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