Grüß dich! Ich freue mich, dass du deine Texte frischer und lesefreundlich gestalten möchtest! Hast du deinen Text bei der Hand? Fein, dann legen wir gleich los. Heute geht es darum, wie du den sogenannten Hauptwort-Stil vermeidest und schwierige Hauptwörter leicht ersetzen kannst.

Suche schwierige Hauptwörter und ersetze sie durch einfache!

Was sind überhaupt schwierige Wörter?

Das sind Wörter, die dein Leser nicht auf den ersten Blick erfassen kann oder zu denen er kein Bild im Kopf hat. Weil sie zu lang, zu „gewählt“ oder zu kompliziert sind oder weil sie Fach- oder Fremdwörter sind.

Denk dabei an das Text-Credo: Mach es deinen Kund*innen leicht!

Schwierige Hauptwörter können z. B. sein:

 1) Hauptwörter, die auf –ung, -heit, -keit enden:

Diese Hauptwörter waren in ihrem ersten Leben mal Zeitwörter. Irgendwann wurden sie zu sperrigen Hauptwörtern umgebaut, weil das besser, gebildeter, „höfischer“ klang. Wir bauen sie jetzt zurück. „Zurück zu natürlich“ quasi.

Deine Aufgabe: Such diese Hauptwörter und bau die Sätze entsprechend um

Oder finde ein anderes, leichteres, allgemeinsprachlicheres (Zeit)Wort!

Beispiel 1: Verschiebung – verschieben

Vorher: Sollte es Ihrerseits zu einer Terminverschiebung kommen, bitte ich Sie um rechtzeitige Benachrichtigung.
Nachher: Wenn Sie den Termin verschieben wollen, benachrichtigen Sie mich bitte rechtzeitig.
Oder: Wenn Sie den Termin verschieben wollen, schicken Sie mir bitte rechtzeitig eine Nachricht oder rufen Sie mich an.
(Ja, das ist länger. Aber es it eine konkrete Anleitung, die ein Bild im Kopf erzeugt und damit leichter verständlich ist.)

Beispiel 2: Verantwortung – verantwortlich sein / verantworten – sorgen für 

Vorher: Ich übernehme die Verantwortung für….
Nachher: Ich bin verantwortlich für…
Oder: Ich sorge für…

Beispiel 3: Heiterkeit – erheitern – Freude machen

Vorher: Wie kannst du für mehr Heiterkeit in deinem Leben sorgen?
Nachher: Wie kannst du dich selber mehr erheitern?
Oder: Wie kannst du dir selbst eine Freude machen/bereiten?

Klingt doch gleich viel frischer, oder? Du denkst vielleicht, das mach‘ ich doch ohnehin so. Aber lies dir deine Texte genau nur auf diese Worte hin durch. Es kann gut sein, dass dir trotzdem welche hineingerutscht sind – wir sind aus der Schule so konditioniert. Diese Wörter finden ihren Weg. 😉

2) Lange, komplizierte Hauptwörter

Deutsch ist meisterhaft im Zusammensetzen von Hauptwörtern. Nicht nur der Donaudampschiffahrtsgesellschaftskapitän ist legendär. Wir sind diese Wörter so gewohnt, dass sie uns oft gar nicht mehr auffallen.

Meine Tochter blickte neulich auf eine Packung „Rohrohrzucker“.  Sie fragte mich: Was ist bitte „Rohr-Ohr-Zucker???“. Sie ist 8 Jahre alt und sprachlich durchaus begabt…

Gesprochen sind diese Wörter gar kein Problem. Geschrieben können sie allerdings schwierig werden oder zu Missverständnissen führen. Oder einfach Übersetzungsarbeit beim Leser oder der Leserin erfordern. Das wollen wir nicht!

Das Credo: Es soll leicht gehen! Für dich und deine Leser*innen 

Deine Aufgabe: Such alle Hauptwörter, die aus 2 oder 3 einzelnen Wörtern bestehen

Versuche die Wörter zu trennen oder durch einfachere zu ersetzen, wenn der Text dadurch verständlicher wird.

z. B.: Die „bequeme Einkaufsmöglichkeit“ wird ersetzt durch „Einkaufs-Möglichkeit“oder „die Möglichkeit einzukaufen“ oder am allerbesten durch einen (Neben)satz: „Hier können Sie bequem einkaufen.“

3) Fremd- oder Fachwörter

Du bist in einer ganz bestimmten Branche unterwegs?

Vermutlich. Branchen entwickeln ganz oft Fachwörter, ob Tourismus, Baubranche, Gastronomie, Lebensmittelhandel, Coaching, Physiotherapie, Medizin etc.

Diese Branchensprache ist für dich ganz normal! Aber deine Kund*innen tun sich vielleicht damit schwer, sie zu verstehen. Oder sie verstehen sie, aber es ist anstrengend für sie, diese zu „übersetzen“.

Der Anspruch: Deine Leser*innen sollen im Überfliegen verstehen, wovon du schreibst.

Deine Aufgabe: Such alle Fach- oder Fremdwörter in deinem Text. Dann:

Entweder du brauchst das Wort nicht unbedingt, dann ersetze es durch ein umgangssprachliches Wort: Eines, das du verwendest, wenn du mit jemandem sprichst, der nicht so im Thema ist, wie du.

Oder du brauchst das Wort unbedingt? Gerade bei medizinischen oder technischen Begriffen ist das oft nötig. Dann erkläre das Wort das erste Mal, wenn es im Text vorkommt. Dafür verwendest du im Hauptsatz zuerst das umgangssprachliche Wort und setzt das Fremdwort danach einfach in Klammer.

Z. B. so: Übergewicht (Adipositas) ist ein ernstzunehmender Risikofaktor in der Schwangerschaft.

Oder du verwendest einen erklärenden Halbsatz, den du mit einem Gedankenstrich abtrennst.

Z. B. so: Ein wichtiger Risikofaktor in der Schwangerschaft ist Adipositas – damit meinen wir eine bestimmte, medizinisch abgeklärte Form von Übergewicht.

Wie hört sich dein Text jetzt an?

Schon viel flüssiger und weniger steif? Hier ist noch ein Beispiel, wie sich ein Text ändert, wenn du Hauptwörter durch Zeitwörter ersetzt. Und mit direkter Ansprache ein bisschen empathischer wird – aber das ist ein eigenes Thema. 😉

Vorher: Anzeichen für „echte Wehen“ sind ein vorübergehendes Hartwerden des Bauches für 1-2 Minuten
bzw. Schmerzen im Bereich des Unterbauchs für ebenso 1-2 Minuten. Wehen ab der 28. Schwangerschaftswoche sind völlig normal.

Nachher: Wie fühlen sich aber nun echte Wehen an? Wenn dein Bauch für 1 -2 Minuten hart wird
bzw. du ebenso lange Schmerzen im Unterbauch spürst, dann sind es echte Wehen. Aber keine Angst: Echte Wehen sind ab der 28. SSW ganz normal.

SSW würdest du beim ersten Mal auch in Klammer erklären: SSW (Schwangerschaftswoche).

Ich wünsch‘ dir viel Spaß beim Wörter suchen und Lösungen kniffeln! Noch ein Tipp: Schreck dich nicht, wenn dein Text dadurch vielleicht auch etwas länger wird. Hauptwort-Monster auflösen braucht oft Nebensätze. Das ist ganz normal.

Hast du Fragen? Schreib mir direkt hier in die Kommentare rein oder auf Facebook unter: https://www.facebook.com/textemitziel.celine.tueyeni

Hier kannst du dir den Artikel auch gerne ausdrucken und neben den Computer legen!

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