“Ach frag’ doch nicht so viel, schreib endlich!” Dieser Satz sitzt in meinem Kopf. Hartnäckig. Und das obwohl ihn mir noch niemand wirklich ins Gesicht gesagt hat! Dennoch habe ich das Gefühl, dass er irgendwo zwischen meinen Kunden und mir in der Luft wabert. Unfassbar und doch spürbar. Vielleicht ist er wirklich NUR in meinem Kopf? Was meinen Sie?

Worum es hier geht: Um einen guten Text zu schreiben, muss ich zuerst verstehen, worum er sich dreht und wo mein Kunde damit hin will. Soweit so klar. Schließlich schreibe ich „Texte mit Ziel“ – das heißt, ich arbeite für Menschen, die mit ihrem Text etwas Spezifisches erreichen wollen. Mehr Kunden, mehr Umsatz, mehr Newsletter-Anmeldungen, mehr Lebensfreude… Da soll nicht nur „irgendwas stehen“, damit die Website nicht so nackt aussieht! (Mehr dazu auch in meinem Artikel: Kurz und Knackig, es liest ohnehin niemand mehr. Eine Mär.)

Fragen können nerven. Aber Antworten führen zum Ziel.

Dazu muss ich Fragen stellen. Aber ich weiß: Fragen kann nerven. Fragen kann unangenehm sein. Ich bohre tiefer und tiefer, weil ich Antworten suche, die den Wunsch-Leser erreichen und überzeugen. Fakten für das Was und Wie und ein Gefühl für das Warum. Aber die Crux ist: Das sind manchmal Fragen, die mein Gegenüber sich selbst noch gar nicht so gestellt hat! Dann werden die Augen schon mal groß, der Mund steht offen und das Gesicht scheint selbst die Form eines Fragezeichens anzunehmen. Dann weiß ich, dass ich am Ziel bin. 😉

Immer wieder stehe ich vor der Aufgabe, einen Text zu schreiben, für den mir wichtige Infos fehlen. Nicht nur das Vordergründige, sondern das, was dahinter, darunter, darüber liegt. Das Gesamtkonzept. Es ist mir schon passiert, dass ich einen Auftrag (noch) nicht erfüllen konnte, weil mein Gegenüber durch die Fragen merkte, dass es am Konzept noch hakt. Schlecht fürs Börserl, aber gut für mein Gewissen.

Ihr Inhalt statt meine Interpretation

Apropos Gewissen: Ehrlich, ich habe schon manchmal ein richtig schlechtes Gewissen. Es ist mir unangenehm zu fragen. Ich weiß, dass sollte es nicht. Ist aber so. Ich fühle manchmal, dass mein Gegenüber sich denkt, SIE soll schreiben, deswegen beauftrage ich SIE ja, damit SIE sich die Gedanken macht, und nicht ich. Aber das geht nicht! Denn dann wären es ja MEINE Gedanken und nicht die meines Auftraggebers. MEIN Ziel und nicht seines. Dann sind wir bei Interpretation. Und die passt am Ende manchmal, aber nicht immer.

Ich erfinde keinen Text. Ich übersetze Hirnschmalz und Gefühl in Sprache.

Verstehen Sie, was ich damit sagen will? Einfach nur: Bitte seien Sie mir gnädig! 😉 Fragen sind wichtig: Sie lassen mich verstehen und nachfühlen. Dann brauche ich nicht zu interpretieren, dann kann ich übersetzen. Denn als das sehe ich meine Arbeit: eine Übersetzungsleistung von dem, was wie eine Wolke im Kopf meines Gegenübers schwebt, die er selbst nicht konkret fassen kann, in eine Sprache, die der Leser versteht, ihn erreicht und berührt.

Fazit: Ich frage, damit Sie Ihr Ziel erreichen!

Wie sehen Sie das? Fühlen Sie sich von Fragen oft genervt? Oder finden Sie es schön, Denkanstöße durch Fragen zu erhalten? Schreiben Sie mir einen Kommentar – ich bin gespannt!