Satzlänge: Wechsle kurze und mittellange Sätze ab

Warum ist die Länge der Sätze, die Du schreibst, so wichtig? Aus 2 Gründen:

1) Du willst, dass Dich Deine LeserInnen verstehen! Denn: Je länger und verschachtelter ein Satz ist, desto aufmerksamer müssen Deine LeserInnen sein. Sonst erfassen sie den Inhalt nicht. Das spricht für kurze Sätze.

Auch wenn Du annimmst, dass Deine LieblingskundInnen komplizierte Texte verstehen: Wir denken beim Schreiben daran, dass die lesende Person vielleicht schon müde ist. Nicht jeder Mensch, der im Internet liest, ist gerade frisch und konzentriert. Viele haben Anderes im Kopf. Sie lesen nebenbei, am Handy in der U-Bahn. Trotzdem soll Dein Text ins Gehirn vordringen können. Deshalb musst Du ihn einfach halten.

Was ist “einfach”, wie stellst Du das fest? Denn was für Dich einfach ist, ist es noch lange nicht für Deine LeserInnen. Du steckst im Thema drin, sie kommen vielleicht gerade von wo ganz anders her…

Mein Tipp: Schreibe so, dass ein 10-jähriges Kind den Text nach der Schule noch versteht.

2)  Aber: Du willst Deine LeserInnen nicht langweilen: Wenn Du nur mehr kurze Sätze verwendest, wird Dein Text schnell fad. Es wird Dir schwer fallen, Spannung aufzubauen und Deine LeserInnen ermüden beim Lesen.

Klingt verzwickt? Ist es nicht. Ich zeige Dir in diesem Artikel, mit welchen Kniffen Du verständlich schreibst und trotzdem abwechslungsreichen Text schaffst.

Die Satzlänge und der Aufbau des Satzes sind entscheidende Kriterien für einfache Texte (neben der Wortwahl, der Gliederung etc.).

Satzlänge: Was ist kurz, was ist lang? Was ist gut?

Hier ein paar Quick-Tipps. Weiter unten findest Du Beispiele dazu.

  • LeserInnen verstehen Sätze am leichtesten mit 3-15 Wörtern. 3-7 ist super easy, bis 15 geht gut.
  • Ein Satz ab und zu mit 20 Wörtern ist ok – wenn der Satz einfach gebaut ist oder Aufzählungen enthält.
  • Idealerweise verwendest Du maximal einen Beistrich (ein Komma) pro Satz.
  • Verwende alle Satzzeichen.
  • Wechsle die Länge der Sätze innerhalb dieses Rahmens ab. Das hält den Text frisch.

Nimm Dir jetzt Deinen Text zur Hand und zähle: Jeder Satz über 15 Wörter ist ein Kandidat für ein Text-Service. Streiche Dir die Sätze an.

Was kannst Du gegen zu lange Sätze tun?

Da gibt es ein paar Kniffe:

Hast Du 2 Hauptsätze miteinander durch einen Beistrich (Komma) oder UND verbunden?

Teile sie. Mach dazwischen einen Punkt. Ganz einfach. 😉

Alt: Ich habe Vieles in meinem Leben durchgemacht und dadurch habe ich viele Erfahrungen gesammelt.

Neu: Ich habe Vieles in meinem Leben durchgemacht. Dadurch habe ich viele Erfahrungen gesammelt.

Hast Du mehr als einen Beistrich verwendet?

Bau den Satz so um, dass Du einen Nebensatz los wirst:

Alt: Wir Frauen des Westens sind es, die jetzt einen wesentlichen Beitrag leisten können, damit diese Welt für unsere Kinder und Kindeskinder lebenswert bleibt.
Puuh, das fühlt sich schon recht lange an, oder? Dabei sind es „nur“ 23 Wörter. Aber der Satzbau mit 2 Beistrichen macht es kompliziert.

Neu:  Wir Frauen des Westens können jetzt einen wesentlichen Beitrag leisten, damit diese Welt für unsere Kinder und Kindeskinder lebenswert bleibt. (20 Wörter, aber einfacher gebaut und leichter erfassbar.)

Du kannst auch Information mit einem Gedankenstrich ans Ende auslagern (= langer Bindestrich, so: –)

Alt: In jeder Gruppe sind max. 5 Frauen, deshalb ist auf jeden Fall Raum für Dein persönliches Coaching, wenn Du das möchtest.

Neu: In jeder Gruppe sind max. 10 Frauen. Es ist auf jeden Fall Raum für Dein persönliches Coaching – wenn Du das möchtest.

Damit kannst Du auch die Betonung bewusst verlagern.

Bei Wenn-dann-Sätzen oder dass-Sätzen funktioniert ein Doppelpunkt gut:

Alt: Wenn Sie es schaffen, den Blickwinkel zu ändern, sehen Sie Zugeständnisse als Investition in Ihre Zukunft.

Neu: Versuchen Sie den Blickwinkel zu ändern: Sehen Sie Zugeständnisse als Investition in Ihre Zukunft!

Alt: Es ist ein Faktum, dass die weltweite Krise neue Lösungen erfordert.

Neu: Fakt ist: Die weltweite Krise braucht neue Lösungen.

Verwendest Du Füllwörter? Meist unnötig.

Füllwörter machen Deinen Text länger, ohne ihm Aussage zu verleihen. Im Gegenteil: Oft schwächen sie die Aussage (wie Modalverben auch). Füllwörter sind zum Beispiel:

Vielleicht, manchmal, oft, und, trotzdem, allerdings, schon, recht, auch, etwas, genau…

Füllwörter kannst Du oft ersatzlos streichen – aber nicht immer. Probier’s aus!

Alt: Allerdings habe ich manchmal schon das Gefühl, dass es mir damit etwas besser geht.

Neu: Ich habe das Gefühl, dass es mir damit besser geht.

Hörst Du, was ich meine? Lies Dir Deinen Text selbst laut vor. Wenn es holpert, bist Du gefragt: Dann ist der Satz zu lang oder kompliziert gebaut.

Noch fiesere Verständlichkeitskiller sind kompliziertere Schachtelsätze. Wie Du Schachtelsätze auflösen kannst, liest Du hier.

Hast Du Schwierigkeiten damit, lange Sätze zu kürzen? Glaub mir, damit bist Du nicht alleine! John Steinbeck sagte: “Wenn einem Autor der Atem ausgeht, werden die Sätze nicht kürzer, sondern länger.” Schreib mir in die Kommentare rein, dann helfe ich Dir gerne.

Bis gleich! Deine Website-Texterin aus Wien,

Céline Tüyeni. Texterin für Frauen, die mit ihrem Herzensbusiness Erfolg haben willen

 

P. S. Einige meiner Tipps folgen dem Hamburger Verständlichkeitsmodell für einfach verständliche Texte – quasi die Grundausstattung für Texter. Mehr dazu erfährst Du zum Beispiel bei der Wortliga, da kannst Du Deine Texte auch in einem Tool testen.

Willst Du sehen, wie sich Texte verändern, wenn ich sie nach diesen Regeln bearbeite? Unter Arbeitsproben findest Du ganze Beispieltexte.

 

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